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Klima, Umwelt & Energie · Schaubildreihe

Nottuln und der Klimawandel

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Stand der Recherche: 14. September 2026 Nottuln hat sich ein ungewöhnlich ehrgeiziges Ziel gesetzt: Die Gemeinde soll 2030 klimaneutral sein. Der Rat beschloss die entsprechende Strategie am 14. Dezember 2021 mehrheitlich und verwies ihre Umsetzung in die Fachausschüsse. Vorausgegangen war bereits 2015 ein integriertes Klimaschutzkonzept mit 31 Maßnahmen. Seither sind weitere Planungen und konkrete Projekte hinzugekommen – von Windenergie und Wärmeplanung über Radverkehr bis zu Baumrigolen, Entsiegelung und Energieberatung. Die entscheidende Einschränkung lautet: Ein politisches Ziel und eine Sammlung sinnvoller Projekte sind noch kein Nachweis, dass Klimaneutralität tatsächlich erreicht wird. Die öffentlich zugänglichen Unterlagen zeigen viele Aktivitäten. Eine aktuelle, vollständige Treibhausgasbilanz mit einem jährlich überprüfbaren Soll-Ist-Pfad bis 2030 ist daraus jedoch nicht zu entnehmen. Deshalb unterscheidet die Reihe bewusst zwischen beschlossen, in Umsetzung, geplant und noch offen. ---

Schaubild 1 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 1
Das Titelmotiv zeigt den Nottulner Stiftsplatz. Es beruht auf einer realen Aufnahme des Platzes; die darin noch sichtbaren früheren Säulenbäume wurden anhand der aktuellen Umgestaltung durch niedrige Blumen- und Staudenbeete sowie Sitzmöbel ersetzt. Das Motiv ist damit eine fotorealistische Rekonstruktion des heutigen Zustands und keine unveränderte Dokumentarfotografie.

Die Titelfolie verbindet die großen kommunalen Handlungsfelder: erneuerbarer Strom, klimafreundliche Wärme, energetische Sanierung, Mobilität und Klimaanpassung. Diese Bereiche dürfen nicht getrennt betrachtet werden. Wenn künftig mehr Gebäude mit Wärmepumpen beheizt und mehr Fahrzeuge elektrisch betrieben werden, steigt der Strombedarf. Der Ausbau von Wind- und Solarenergie muss deshalb mit Energieeinsparung, Netzen, Speichern, Gebäudesanierung und einer Verringerung des motorisierten Verkehrs zusammengedacht werden.

Klimaanpassung bildet eine zweite, ebenfalls unverzichtbare Säule. Bäume, Regenwasserrückhalt, Entsiegelung und Hochwasserschutz machen Nottuln widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Starkregen. Sie ersetzen aber nicht die Senkung der Treibhausgasemissionen.

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Schaubild 2 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 2
Die Folie zeigt den realen Ratssaal der Aschebergschen Kurie in Nottuln. Das Foto dient nur als Orts- und Sachbezug; die Abstimmungsdaten und die Zeitleiste darunter sind separat aus den Sitzungsunterlagen gesetzt.

Mit dem integrierten Klimaschutzkonzept von 2015 bündelte Nottuln seine bisherigen Aktivitäten. Das Konzept ordnete 31 Maßnahmen fünf Handlungsfeldern zu: Energieeffizienz in Unternehmen; klimafreundliche Mobilität; Planen, Bauen und Sanieren; Klima- und Energieprojekte in Schulen und Vereinen; Öffentlichkeitsarbeit.

Am 14. Dezember 2021 ging der Rat einen Schritt weiter. Er beschloss die „Strategie zur Klimaneutralität für das Jahr 2030“ und verwies sie zur Umsetzung in die Ausschüsse. Das Abstimmungsergebnis lautete 17 Ja-Stimmen, fünf Nein-Stimmen und neun Enthaltungen.

Die damalige Ratsdebatte ist für die Einordnung wichtig: Mehrere Ratsmitglieder fragten nach konkreten Maßnahmen, Kosten, Landwirtschaft, Industrie, Speicherbedarf und der Rolle der Bauwirtschaft. In der Sitzung wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass an diesem Abend vor allem die strategische Richtung beschlossen werde. Der Weg sollte anschließend politisch weiter beraten und konkretisiert werden. Das 2030-Ziel ist daher ein politischer Auftrag – nicht die Feststellung, dass ein vollständig finanzierter Maßnahmenplan bereits vorliegt.

Quellen: Ratsbeschluss vom 14.12.2021 (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/to0050.php?__ktonr=26798), Vorlage 180/2021 (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2006032603), Klimaschutzkonzept 2015 – Vorlage 175/2015 (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2006031274)

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Schaubild 3 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 3
Die 2021 beschlossene Strategie arbeitete mit einer Treibhausgasbilanz für 2019. Danach wurden im Gemeindegebiet rund 194.653 Tonnen CO₂-Äquivalente verursacht – etwa 9,9 Tonnen je Einwohnerin oder Einwohner. Der Verkehr hatte einschließlich der Autobahn einen Anteil von 50 Prozent. Auf private Haushalte entfielen 27 Prozent, auf Gewerbe, Handel und Dienstleistungen 17 Prozent, auf Industrie fünf Prozent und auf kommunale Einrichtungen ein Prozent.

Die lokale erneuerbare Stromerzeugung entsprach 2019 bilanziell bereits rund 49 Prozent des örtlichen Stromverbrauchs. Das klingt zunächst weit fortgeschritten. Strom war aber nur ein kleiner Teil des gesamten Endenergieverbrauchs. Werden Verkehr und Wärme einbezogen, bezifferte die Strategie die Lücke zu einer vollständig erneuerbaren Versorgung auf 88 Prozent.

Die Autobahn ist dabei ein reales Bilanzierungsproblem. Nach dem kommunalen BISKO-Standard wird Energieverbrauch grundsätzlich territorial erfasst. Dadurch wird der Verkehr auf der A43 Nottuln zugerechnet, obwohl die Gemeinde ihn kaum steuern kann. Der Ausschuss diskutierte diese Frage 2025 erneut. Eine getrennte Darstellung der Autobahn kann die kommunal beeinflussbaren Emissionen transparenter machen; sie darf aber nicht dazu führen, dass die Emissionen einfach aus der Gesamtbetrachtung verschwinden.

Wichtig: Diese Zahlen beschreiben die Ausgangslage 2019. Sie dürfen nicht als aktueller Stand 2026 dargestellt werden.

Quellen: Strategie zur Klimaneutralität 2030 – Präsentation (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/getfile.php?id=53891&type=do), Monitoring im Ausschuss 2025 (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/to0050.php?__ktonr=36568)

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Schaubild 4 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 4
Die Strategie von 2021 sieht erneuerbaren Strom als zentralen Ausgleich für verbleibenden Energieverbrauch. Ihr Rechenbeispiel ohne Autobahn ging unter anderem von fünf neuen großen Windenergieanlagen, einem starken Ausbau der Photovoltaik auf Dächern und zusätzlichen Freiflächenanlagen aus. Die damalige Modellrechnung nannte mehr als 3.300 Dachanlagen und – je nach Größe – mehrere PV-Freiflächenanlagen. Das waren Szenarioannahmen, keine bereits genehmigte Bauplanung.

Die aktuelle Windenergie-Seite der Gemeinde weist neun bestehende Anlagen aus und nennt 17 weitere geplante Anlagen, zum Teil als Repowering. Genehmigungen erteilt nicht die Gemeinde, sondern der Kreis Coesfeld. Die Anlagen werden von verschiedenen Projektgesellschaften errichtet; die Gemeinde selbst ist nach eigener Darstellung nicht Bauherrin.

Mit der 2026 gegründeten Nottuln.Wind GmbH hat die Gemeinde dennoch ein Instrument geschaffen, um Beteiligungsmöglichkeiten zu organisieren und Informationen über Projekte bereitzustellen. Die Gesellschaft ist zu 100 Prozent eine Tochter der Gemeinde. Über eine digitale Plattform können – wenn ein konkretes Angebot vorliegt – Bürgerinnen und Bürger finanzielle Beteiligungen zeichnen. Solche Beteiligungen können Wertschöpfung vor Ort halten, sind aber keine Garantie für Akzeptanz und ersetzen weder Genehmigungsprüfung noch transparente Standortdebatten.

Zusätzlich nutzt Nottuln freiwillige Zahlungen von Windkraftbetreibern nach § 6 EEG. Nach Angaben der Gemeinde flossen 2026 davon 4.000 Euro in die Förderung von Steckersolargeräten. Das ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie Erträge der Energiewende wieder lokalen Klimaschutz finanzieren können.

Quellen: Windenergie Nottuln (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt/windenergie-nottuln), Strategie 2030 – Szenarien (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/getfile.php?id=53891&type=do), Förderprogramm Klimaschutz (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt/foerderprogramm-klimaschutz)

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Schaubild 5 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 5
Der kommunale Wärmeplan wurde 2025 abgeschlossen und vom Ausschuss für Umwelt und Mobilität beschlossen. Er teilt das Gemeindegebiet in 33 Teilgebiete. In 13 Gebieten erscheint ein Wärmenetz grundsätzlich denkbar; für 20 Gebiete werden dezentrale Lösungen nötig sein. In 28 Teilgebieten sieht die Analyse ein hohes Potenzial für energetische Sanierung. Bislang gibt es nach Angaben der Gemeinde nur einen Wärmeverbund, den Wärmeverbund Hummelbach.

Als wichtige lokale Wärmequellen nennt die Planung vor allem Luft-Wasser-Wärmepumpen und Geothermie. Für mögliche Wärmenetze kommen auch Großwärmepumpen und weitere regenerative Quellen in Betracht. Wasserstoff wird für die Raumwärme derzeit nicht eingeplant: Verfügbarkeit und Preis sind unsicher, die Nutzung wäre vergleichsweise ineffizient, und Wasserstoff wird voraussichtlich vor allem in der Industrie benötigt. Biomethan kann eine Ergänzung sein, dürfte aber nur begrenzt verfügbar sein.

Die Szenarien des Wärmeplans zeigen, was bei ambitionierter Sanierung und einem konsequenten Wechsel zu erneuerbaren Wärmequellen bis 2045 möglich wäre: Der Wärmebedarf könnte um rund zehn Prozent sinken, die Treibhausgasemissionen je nach Szenario um rund 90 bis über 95 Prozent. Diese Werte sind Modellrechnungen und keine Prognose.

Auch rechtlich ist Zurückhaltung wichtig: Der Wärmeplan ist zunächst eine strategische Orientierung. Er verpflichtet private Eigentümerinnen und Eigentümer nicht zum Anschluss. Ob in einem potenziellen Gebiet wirklich ein Wärmenetz gebaut wird, hängt von Machbarkeitsstudien, Wärmequellen, Anschlussinteresse, Investoren, Finanzierung und späteren Einzelbeschlüssen ab.

Der Wärmeplan zielt auf eine treibhausgasneutrale Wärmeversorgung spätestens 2045. Damit folgt er dem gesetzlichen Langfristziel, ist aber zeitlich nicht identisch mit Nottulns allgemeinem 2030-Ziel. Diese Differenz muss in der kommunalen Gesamtstrategie offen erklärt werden.

Quellen: Kommunaler Wärmeplan Nottuln (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt/umweltschutz/waermeplanung), Beschlussvorlage 050/2024/1 (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2006033488)

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Schaubild 6 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 6
Ein großer Teil der Emissionen entsteht nicht in gemeindeeigenen Gebäuden, sondern in privaten Haushalten, Unternehmen und im Verkehr. Die Kommune kann dort informieren, fördern, planen und gute Rahmenbedingungen schaffen – investieren müssen häufig private Eigentümerinnen und Eigentümer.

Für Nottuln Zentrum/West wird ein integriertes Quartierskonzept erarbeitet. Es umfasst energetische Sanierung, effiziente Wärme- und Stromnutzung, erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilität, Aufenthaltsqualität, Nahversorgung und Klimaanpassung. Bürgerinnen und Bürger können über Beteiligungsangebote eigene Ortskenntnisse und Vorschläge einbringen. Nach Darstellung der Gemeinde soll ein Quartiersmanagement die spätere Umsetzung begleiten. Maßnahmen an Privatgebäuden bleiben freiwillig.

Das kommunale Förderprogramm unterstützt 2026 Steckersolargeräte sowie E-Bikes, Lastenräder und Fahrradanhänger, jeweils nur im Rahmen der verfügbaren Mittel. Parallel vermittelt die Gemeinde unabhängige Energieberatung. Bei der Aktion „Auf geht’s! Nottuln spart Energie“ wurden 2026 Vor-Ort-Beratungen der Verbraucherzentrale angeboten; für die ersten 30 Haushalte erstattete die Gemeinde den Eigenanteil.

Auch die Kommune senkt an einzelnen Stellen den eigenen Verbrauch. Die Umrüstung der Flutlichtanlage in Schapdetten auf LED verringerte nach Angaben der Gemeinde die Stromkosten dort um rund 50 Prozent. Weitere LED-Projekte betreffen unter anderem den historischen Ortskern und die Daruper Sporthalle. Solche Projekte sind konkret und messbar, ihr Anteil an den gesamten Gemeindeemissionen bleibt jedoch begrenzt. Entscheidend ist, dass sie Teil eines systematischen Sanierungs- und Energiemanagements werden.

Quellen: Quartierskonzept Zentrum/West (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt/quartierskonzept), Förderprogramm Klimaschutz (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt/foerderprogramm-klimaschutz), Energieberatung 2026 (https://www.nottuln.de/aktuelle-meldungen/meldungs-details/die-eigenen-vier-waende-fit-fuer-die-zukunft-machen-1), LED-Flutlicht Schapdetten (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt/klimaschutz/foerderprojekt-umruestung-auf-klimaschonende-led)

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Schaubild 7 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 7
Nottuln bringt für den Radverkehr gute Voraussetzungen mit. Die Gemeinde nennt einen Radverkehrsanteil von 25 Prozent am gesamten Verkehrsaufkommen, Stand 2017. Vorhanden sind unter anderem zwei Fahrradstraßen, mobile Fahrradabstellanlagen, kostenlose Fahrradboxen im Ortskern und eine digital buchbare Bike-and-Ride-Anlage am Bahnhof Appelhülsen.

Das Mobilitätskonzept 2023 geht deutlich weiter. Zu den priorisierten Aufgaben gehören sichere Abstellanlagen, Einfädelungshilfen, bessere Oberflächen, weitere Fahrradstraßen, zusätzliche Ladeinfrastruktur, Carsharing, Mobilstationen und Anpassungen im Busverkehr. Außerdem wird die Veloroute Münster–Nottuln als wichtiges Projekt genannt.

Aktionen wie STADTRADELN können Menschen motivieren und über die RADar!-Funktion Hinweise auf Gefahrenstellen liefern. Eine Verkehrswende entsteht aber erst, wenn sichere, direkte und durchgängige Wege den Umstieg im Alltag tatsächlich ermöglichen. Kampagnen sind deshalb sinnvoll, ersetzen jedoch nicht den Bau und die Instandhaltung der Infrastruktur.

Zur vollständigen Einordnung gehört auch eine nicht umgesetzte Option: Auf der Radverkehrsseite hält die Gemeinde fest, dass Nottuln sich derzeit nicht am kreisweiten digitalen E-Lastenrad-Sharing beteiligt. Ein kommunales Förderprogramm für private Lastenräder besteht dagegen weiterhin, solange Mittel verfügbar sind.

Quellen: Radverkehr in Nottuln (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/nachhaltige-mobilitaet/radverkehr), Priorisierung des Mobilitätskonzepts (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2006033028)

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Schaubild 8 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 8
Klimaanpassung ist in Nottuln bereits sichtbar. Das Forschungsprojekt BeGrüKlim entwickelte und erprobte zwischen 2020 und 2023 an drei Standorten ein System zur Bewässerung von Stadtbäumen. Unterirdische Speicher nehmen Niederschlagswasser von Dächern oder Verkehrsflächen auf. Das Wasser steht den Bäumen in Trockenperioden länger zur Verfügung; zugleich können die Speicher Kanalisation und Straßen bei Starkregen entlasten.

Ein weiteres Beispiel ist der rund 1.000 Quadratmeter große Pikopark an der Kita Hummelbach. Beschattung, Baumpflanzungen, Hecken, heimische Gehölze und regionales Saatgut wurden nach lokalklimatischen Kriterien ausgewählt. Die Gemeinde nennt Gesamtkosten von rund 240.000 Euro; etwa 148.000 Euro und damit gut 60 Prozent übernahm das Bundesumweltministerium. Die Außenanlage wurde 2026 als fertiggestellt vorgestellt.

Zusätzlich verweist die Gemeinde auf Starkregengefahrenkarten und informiert über Vorsorge an Gebäuden. Klimaspaziergänge, die Initiative „Abpflastern“, Fassadenbegrünung, Trinkbrunnen und Refill-Angebote sollen Wissen und Eigenvorsorge stärken. Für Appelhülsen wurde 2025 die Renaturierung der Stever als Hochwasserschutzmaßnahme politisch befürwortet. Da es sich um ein geplantes Vorhaben handelt, darf es nicht als bereits realisierter Schutz dargestellt werden.

Diese Projekte sind mehr als Verschönerung. Stadtgrün kühlt, spendet Schatten und unterstützt Biodiversität; entsiegelte Böden und Rückhalteräume nehmen Wasser auf. Ihre Wirkung ist besonders groß, wenn sie zu einem flächendeckenden Netz grüner und blauer Infrastruktur verbunden werden.

Quellen: LANUK NRW: BeGrüKlim (https://www.klimaatlas.nrw.de/beratung-klimaanpassung/beratung/praxisbeispiele/begrueklim), Pikopark Kita Hummelbach (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt/klimaschutz/foerderprojekt-umruestung-auf-klimaschonende-led/umruestung-auf-nachhaltige-led/foerderprojekt/foerderprojekt-piko-park-kita-hummelbach), Starkregen-Gefahrenkarten (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/umwelt/starkregen-gefahrenkarte), Nottulner Umwelttage 2026 (https://www.nottuln.de/aktuelle-meldungen/meldungs-details/klima-spaziergang-und-viele-infos-rund-um-umwelt-und-klimaschutz), Ausschusssitzung vom 08.09.2025 (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/si0057.php?__ksinr=3379)

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Schaubild 9 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 9
Nottuln verfügt über mehrere Strukturen, die Projekte dauerhaft tragen können: den Rat und den Ausschuss für Umwelt und Mobilität, ein Team für Klimaschutz und Mobilität, das kommunale Klimanetz, Bürger-Solarberatung und Thermografie-Angebote sowie die Beteiligungsgesellschaft Nottuln.Wind. Das energiepolitische Arbeitsprogramm im Rahmen des European Energy Award ergänzt diese Struktur.

Solche Institutionen sind wichtig, weil Klimaschutz kein einzelnes Bauprojekt ist. Maßnahmen müssen geplant, finanziert, beschlossen, umgesetzt, ausgewertet und verbessert werden. Bürgerbeteiligung kann Akzeptanz und Ortskenntnis einbringen; sie entbindet Rat und Verwaltung aber nicht von klaren Entscheidungen.

Im September 2025 berichteten Verwaltung und ein externes Fachbüro im Ausschuss über den Umsetzungsstand und das quantitative Monitoring der 2030-Strategie. Der Ausschuss nahm den Bericht zur Kenntnis. In der öffentlich abrufbaren Vorlage sind jedoch keine Anlagen mit Zeitreihen, Sektorzielen oder einem vollständigen Soll-Ist-Vergleich aufgeführt. Aus diesen Unterlagen lässt sich deshalb nicht zuverlässig berechnen, wie weit Nottuln 2025 oder 2026 vom Ziel entfernt war.

Ein öffentliches Klima-Dashboard könnte diese Lücke schließen. Es sollte für Strom, Wärme, Gebäude und Verkehr jährlich dieselben Kennzahlen ausweisen, Veränderungen erklären und die Wirkung einzelner Maßnahmen sichtbar machen. Die Autobahn-Emissionen könnten dabei sowohl innerhalb der BISKO-Gesamtbilanz als auch separat dargestellt werden.

Quellen: Klimaschutz, Energie und Umwelt (https://www.nottuln.de/leben-in-nottuln/klimaschutz-energie-umwelt), Monitoring-Vorlage 180/2021/2 (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/vo0050.php?__kvonr=2006033485), Beratung im Ausschuss (https://www.nottuln.de/sessionnet/sessionnetbi/to0050.php?__ktonr=36568)

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Schaubild 10 der Reihe „Nottuln und der Klimawandel“
Erklärung zu Bild 10
Die Gemeinde kann auf ein breites Fundament verweisen: ein politisch beschlossenes Ziel, Klimaschutz- und Mobilitätskonzepte, einen kommunalen Wärmeplan, einen wachsenden Windenergieausbau, Beteiligungsangebote, Förderprogramme, Beratung, LED-Projekte sowie konkrete Vorhaben zur Klimaanpassung. Es wäre falsch zu behaupten, Nottuln tue nichts.

Ebenso falsch wäre die Behauptung, der Weg zur Klimaneutralität sei bereits gesichert. Ein Teil der öffentlich dargestellten Aktivitäten besteht aus Konzepten, Informationsangeboten oder Planungen, deren spätere Wirkung von weiteren Beschlüssen, privaten Investitionen, Genehmigungen und Finanzierung abhängt. Der Wärmeplan arbeitet für das Zieljahr 2045. Viele Mobilitätsmaßnahmen sind priorisiert, aber noch umzusetzen. Die aktuelle Gesamtentwicklung der Treibhausgasemissionen ist aus den ausgewerteten öffentlichen Unterlagen nicht eindeutig erkennbar.

Für einen glaubwürdigen Endspurt bis 2030 wären vier Schritte besonders wichtig:

1. Jährliche Klimabilanz: Veröffentlichung eines überprüfbaren Treibhausgasbudgets und eines Soll-Ist-Pfades für jeden Sektor.
2. Verbindliche Umsetzung: Für jede größere Maßnahme Zuständigkeit, Termin, Finanzierung, erwartete CO₂-Minderung und tatsächlichen Fortschritt nennen.
3. Vermeidung vor Kompensation: Energieverbrauch und Emissionen zuerst senken; Ausgleich nur für schwer vermeidbare Restemissionen verwenden. Dies entspricht auch dem im Ausschuss 2025 festgehaltenen Konsens.
4. Sektoren koppeln: Mehr erneuerbaren Strom erzeugen und gleichzeitig Wärme, Gebäude und Verkehr effizienter machen. Stromexport allein löst die strukturellen Aufgaben nicht.

Die faire Zwischenbilanz lautet daher: Nottuln handelt in vielen Bereichen und hat wichtige Instrumente geschaffen. Ob die gesamte Gemeinde 2030 tatsächlich klimaneutral sein kann, ist anhand der öffentlich zugänglichen Daten derzeit nicht belegt.

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Dialog

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