Wirtschaft, Arbeit & Gerechtigkeit · Schaubildreihe
AfD Steuerpolitik und die persönliche Lage ihrer Wähler
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Die AfD wird überdurchschnittlich häufig von Arbeitern gewählt. Gleichzeitig zeigen Modellrechnungen, dass zentrale Steuerpläne der Partei Haushalte mit sehr hohen Einkommen deutlich stärker entlasten können als Haushalte mit kleinen oder mittleren Einkommen. Auch die Abschaffung von Erbschaft- und Vermögensteuer hilft vor allem Menschen, die solche Steuern überhaupt zahlen müssten.
Das bedeutet aber nicht, dass alle AfD-Wähler gegen ihre eigenen Interessen stimmen. Zur AfD-Wählerschaft gehören unterschiedliche Einkommens- und Vermögensgruppen. Außerdem entscheiden Menschen nicht nur nach ihrer Steuerrechnung. Migration, Sicherheit, Protest oder der Wunsch nach einem kleineren Staat können für sie wichtiger sein. Die Reihe zeigt deshalb eine belegbare materielle Diskrepanz, ohne einzelnen Wählern Motive oder Unvernunft zu unterstellen.
Erklärung zu Bild 1
Die Frage ist berechtigt, aber sie lässt sich nicht für alle AfD-Wähler gleich beantworten. Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen können von einer stärker umverteilenden Politik finanziell mehr haben. Andere AfD-Wähler besitzen hohe Einkommen, Unternehmen oder größere Vermögen und können von den AfD-Plänen unmittelbar profitieren. Hinzu kommt: Eine Wahlentscheidung betrifft nicht nur Geld. Migration, innere Sicherheit, Protest oder der Wunsch nach weniger Staat können wichtiger sein als der kurzfristige finanzielle Vorteil. Belastbar ist deshalb nur die engere Aussage: Bestimmte Steuerpläne der AfD entlasten hohe Einkommen und große steuerpflichtige Vermögensübertragungen stärker als kleine Einkommen und bereits steuerfreie Erbschaften.
Erklärung zu Bild 2
Nach der Wahltagsbefragung von Infratest dimap stimmten bei der Bundestagswahl 2025 rund 38 Prozent der Arbeiter für die AfD. Die Zahl bedeutet nicht, dass 38 Prozent aller AfD-Wähler Arbeiter waren. Sie bedeutet: Von den befragten Wählern, die als Arbeiter eingeordnet wurden, wählten 38 Prozent die AfD. Zur AfD-Wählerschaft gehören zugleich Angestellte, Selbstständige, Rentner und wirtschaftlich gut gestellte Menschen. Die Grafik zeigt Arbeiter daher als wichtige, aber nicht als einzige Wählergruppe. Außerdem ist die Berufsgruppe kein sicherer Beleg für das Einkommen oder Vermögen einer einzelnen Person.
Erklärung zu Bild 3
Die AfD stellt ihre Steuerpolitik als Entlastung dar. Sie fordert unter anderem einen höheren Grundfreibetrag, die Abschaffung des Solidaritätszuschlags, ein Familiensplitting, einen höheren Sparerpauschbetrag sowie die Abschaffung von Vermögen- und Erbschaftsteuer. Einige Vorschläge können auch Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen helfen. Andere nutzen nur, wenn entsprechendes Einkommen oder Vermögen vorhanden ist. Wer keine Erbschaftsteuer zahlt, gewinnt durch deren Abschaffung nichts. Wer kaum Kapitalerträge erzielt, nutzt einen höheren Sparerpauschbetrag nur wenig. Ein Wahlprogramm ist außerdem eine Absichtserklärung und noch kein beschlossenes Gesetz.
Erklärung zu Bild 4
Das ZEW berechnete für ein Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern: Bei 40.000 Euro Bruttojahreseinkommen ergaben die modellierten AfD-Vorschläge 443 Euro weniger verfügbares Einkommen. Bei 60.000 Euro waren es 5.395 Euro mehr, bei 180.000 Euro 19.185 Euro mehr. Der negative Wert beim niedrigeren Einkommen entstand durch das Zusammenspiel von Steueränderungen und Wohngeld. Das ZEW hält es für wahrscheinlich, dass eine Regierung eine solche unbeabsichtigte Schlechterstellung bei der Gesetzgebung vermeiden würde. Die grundsätzliche Tendenz der Modellrechnung bleibt: Die Entlastung wächst stark mit dem Einkommen. Die Zahlen sind keine Vorhersage und enthalten keine möglichen Folgen für Wachstum, Beschäftigung oder Preise.
Erklärung zu Bild 5
Kinder haben nach geltendem Recht einen persönlichen Freibetrag von 400.000 Euro. Erbt ein Kind im vereinfachten Beispiel 300.000 Euro Bargeld, fällt keine Erbschaftsteuer an. Die Abschaffung der Steuer bringt hier keine zusätzliche Entlastung. Bei einer Million Euro Bargeld bleiben nach dem Freibetrag vereinfacht 600.000 Euro steuerpflichtig. In Steuerklasse I ergibt sich bei 15 Prozent ein Betrag von rund 90.000 Euro. Die vollständige Abschaffung wirkt daher in absoluten Euro besonders stark bei großen steuerpflichtigen Erbschaften. Das Beispiel ist keine Steuerberatung. Schulden, frühere Schenkungen, Immobilien, Betriebsvermögen und weitere Befreiungen können das Ergebnis verändern.
Erklärung zu Bild 6
Die Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben. Das Bundesverfassungsgericht beanstandete 1995 die damalige ungleiche Bewertung verschiedener Vermögensarten, verbot aber nicht jede neu gestaltete Vermögensteuer. Ob Eigenheim, Sparguthaben oder kleiner Betrieb betroffen wären, hängt von Freibeträgen, Bewertung und Ausnahmen ab. Eine Steuer, die erst oberhalb hoher Millionenfreibeträge greift, muss normales Sparen nicht erfassen. Eine schlecht gestaltete Steuer kann dagegen zu Bewertungs- und Zahlungsproblemen führen. Die sachliche Frage lautet deshalb: Ab welcher Höhe, mit welchem Satz und mit welchen Schutzregeln soll eine solche Steuer gelten?
Erklärung zu Bild 7
Im ARD-DeutschlandTrend vom April 2025 befürworteten 44 Prozent der AfD-Anhänger eine Steuer auf hohe Vermögen. Im September 2025 befürworteten 27 Prozent höhere Steuern auf große Erbschaften. In dem Anfang April 2026 veröffentlichten DeutschlandTrend empfanden 87 Prozent ihre persönliche Steuer- und Abgabenlast als zu hoch. Diese Werte widersprechen sich nicht zwingend. Jemand kann die eigene Belastung für zu hoch halten und zugleich eine besondere Steuer auf sehr hohe Vermögen unterstützen. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Befragungen und Frageformulierungen. Sie dürfen nicht addiert oder als feste Meinung aller AfD-Wähler dargestellt werden.
Erklärung zu Bild 8
In der Wahltagsbefragung 2025 fanden 99 Prozent der befragten AfD-Wählenden gut, dass die Partei den Zuzug von Ausländern und Flüchtlingen stärker begrenzen will. 85 Prozent sahen in der AfD die einzige Möglichkeit, Protest gegen die vorherrschende Politik auszudrücken. Das erklärt, warum eine rein finanzielle Betrachtung nicht genügt. Eine Person kann von einer anderen Steuerpolitik stärker profitieren und trotzdem AfD wählen, weil sie Migration, Sicherheit oder Protest höher bewertet. Die Befragung beweist allerdings nicht, dass diese Aussagen bei jedem Einzelnen die alleinige Ursache der Wahl waren.
Erklärung zu Bild 9
Das ZEW schätzte, dass die untersuchten AfD-Vorschläge die staatlichen Einnahmen um rund 97 Milliarden Euro verringern würden. Daraus folgt nicht automatisch, dass Schulen, Busse, Krankenhäuser oder Straßen genau um diesen Betrag gekürzt würden. Eine Regierung könnte andere Ausgaben senken, Einnahmen erhöhen, Kredite aufnehmen oder auf zusätzliches Wachstum hoffen. Das ZEW hat diese Reaktionen und gesamtwirtschaftlichen Folgen nicht berechnet. Für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen ist dennoch wichtig, neben der eigenen Steuerrechnung auch die öffentlichen Leistungen einzubeziehen, auf die sie angewiesen sind.
Erklärung zu Bild 10
Eine materielle Diskrepanz besteht besonders bei Menschen mit kleinen oder mittleren Einkommen, die von der AfD eine stärkere Umverteilung, höhere Beiträge sehr Vermögender oder bessere öffentliche Leistungen erwarten. Die vom ZEW untersuchten AfD-Vorschläge sehen eine solche Umverteilung zugunsten kleiner und mittlerer Einkommen nicht vor. Die Aussage gilt jedoch nicht für alle AfD-Wähler. Wer sehr gut verdient, große steuerpflichtige Erbschaften erwartet oder einen kleineren Staat will, kann die AfD-Pläne für sich folgerichtig finden. Auch andere Themen können wichtiger sein. Die sachliche Prüfung lautet deshalb: Welche Programmpunkte betreffen meinen Haushalt, welche öffentlichen Leistungen nutze ich und welche Ziele haben für mich Vorrang?
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